SZ (kurz reingehört)
… dass die lange Nacht der Musik auch ihre leisen Nischen bietet, die zum Verweilen
nachgerade einladen, erwies sich einmal mehr bei unserer Stippvisite im Werkhaus.
Durchaus Zünftiges der fahrenden Ritters- und Fahrensleut’ mischte sich hier mit fein
versponnenen Chortönen. Und dabei konnten wir eine Entdeckung machen: gleich
bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt bestachen die ca. 35 Sangeseleven des
sogenannten Montessori-Chores (nicht zu verwechseln mit dem professionellen
Monteverdi-Chor München!) mit differenziert vorgetragenen vierstimmigen Sätzen.
Während es dann doch auf Dauer etwas an rhythmischer Frische mangelte, so
zeichnete sich die Formation doch durch zielsicheres Repertoire und punktgenaues
Ausformen der vielfältigen Dynamik aus. Gerade die für anregenden Chorgesang so
notwendigen Spezifika wie crescendi und accelerandi, glissandi und parlandi
machten diesen Auftritt zu einem unvergesslichen Hörgenuss. Präzision, Disziplin
und hohe Konzentration als triometrische Säulen ließen sowohl Altbewährtes von
Mozart und Beethoven als auch neue, durchaus gewagtere Arrangements von
Beatles-Balladen als musikalische Kleinode auffunkeln. Lediglich der sichtlich
nervöse und wohl doch überforderte Chorleiter Dick Städtler schmälerte letztlich den
positiven Gesamteindruck etwas. Insgesamt aber: Note zwei. Eine echte
Überraschung.
… durchaus engagiert, im Laut und Leise wohl geübt, im Auf- und Abschwellen des
Klanges routiniert, insgesamt ein wohliger Klangkörper, äußerst talentierte Stimmen,
ein lyrischer Sopran, der sich hören lassen kann. Nur mit der Auswahl des Raumes
lag der Montessori-Chor etwas daneben. Aus gegenseitiger Sympathie sei man ins
Werkhaus gekommen. Dieses Alternativ-Salettl schien jedoch förmlich zu bersten
durch die Kraft der 35 Kehlen. Beim nächsten Mal bitte einen Saal mit angemessener
Akustik!
tz
… das Café Wildwuchs etwa halbvoll, vorwiegend Szene-Gesichter aus Neuhausen.
Auf der Bühne ca. 30 attraktive Mädels, die schon allein durch ihre Optik was
hermachten. So war es kein Wunder, dass die vorwiegend männlichen Zuhörer
begeistert mitgingen, als der Chor solche unvermeidlichen Chor-Gassenhauer wie
KumbaYa anstimmte. Rauf und runter gings mit dem Pop-Repertoire, gefeiert wurden
die Ikonen Eric Clapton, Hubert von Goisern und die Beatles. Eine Pop-Party, bei der
kräftig mitgesummt wurde, launige Zwischenansagen des Chor-leaders Dick Städtler,
selbst ein Kind der Flower-power-Beat-Generation der swinging sixties. Die nächste
Chor-Party steigt am 26.Juni um 16Uhr im Festival-Club-Zelt auf Tollwood.
Tipp: Blümchenhemd rauskramen und nix wie hin zum Abfeiern!
AZ
… früher hatte jede DGB-Geschäftsstelle ihren eigen Gewerkschaftschor, die
Singebewegung der DDR bestand aus Hunderten von Songgruppen, die Werkreise
Literatur der Arbeitswelt machten landauf- landab Lesungen umrahmt von
Singekreisen oder Chören, die Friedensbewegung brachte eine ganz neue
Generation von politisch geprägter Chormusik im Geiste von Hanns Eisler hervor,
selbst die Flöhe (Floh de Cologne) gaben Seminare für Songgruppen oder hielten
Kurse für politische Musik mit Mauricio Kagel ab, früher war der Chorleiter mit Helmut
Ruge noch „im Schatten der Chinchillas“,grantelte derb-satirisch über „Himmel, Arsch
und Sondermüll“, und jetzt nahmen sie sich alle zusammen die „freedom“, zu zeigen,
wie ernst es ihnen mit der Freiheit der Kunst ist: 35 überwiegend weibliche Stars der
Laienchor-Zunft und ihr kabarett-gestählter Entertainer in der Rolle des Taktierers.
Hinreißend, wie sich satirische Bonmots vermählen mit der Demaskierung klassisch-kitschiger
Liedtexte. Kleinbürger’s Hochzeitslied enttarnt als Herrn Karl’s Wunschkonzert. Bei
aller Bissigkeit blieb einem das Lachen nicht auf den Stimmbändern im Halse
stecken, der fast lässig vorgeführte Charme des Ensembles verführte zum
kulinarischen Verzehr. Für die Gesamtleistung, besonders aber für den fast poetisch
anmutenden „Clown on the hill“ gebührt ihnen ein Stern der Woche!
Bild München
… schon die Wahl des Kampfplatzes macht deutlich, worum es hier eigentlich ging:
wo sonst der linke Underground von Neuhausen bei friedlich getarnten strick-ins vom
gewalttätigen Umsturz schwadronieren, an diesem aufrührerischen Ort mit dem
verräterischen Namen „Wildwuchs“, gings genauso wild zu. Unten im Publikum die
rebellischen Szene-Freaks, die süchtig auf ihre Dosis Aufputschlieder wartete,
oben die Alt 68 er Kampftruppe als Chor getarnt, ein linkes im typischen Schwarz
der anarcho-syndikalistischen Spanienkämpfer, zuweilen das rote Halstuch offen zur Schau gestellt.
Und ihren Anführer, den Altkommunisten Dick Städtler (mit roten Haaren!!!) kennt man zur
Genüge, hat er doch München in der Vergangenheit oft genug unsicher gemacht.
Das Liedgut reichte vom Anti-Sklaven-Song bis zu einer perfiden Weihnachtsparodie,
die man dem armen Ludwig van Beethoven unterjubeln wollte:
Heilge Nacht, o giesse du…deinen Hohn und Spott lieber auf diese linken Bazillen,
die hier mit städtischen rot/grünen Subventionen mal wieder ihr rotes Unwesen
trieben. Wann kommen endlich wieder Umstände, die diesem herrenlosen Affen-
Gebrüll den Garaus machen? Denn das gehört sich für diese Neger-Musik:
Gar und aus!!!